Bonn und Lärm

PSSST! LEISE! RUHE! BONN!Im vergangenen Jahr stießen Beschwerden über Partyboote auf dem Rhein eine Debatte los. Anwohner_innen, die sich vom Lärm kultureller Events in Bonn gestört fühlten, klagten vermehrt und forderten teilweise sogar Verbote ein. Der General-Anzeiger berichtete, der Oberbürgermeister nahm Stellung, kurzzeitig war die „Lärmdebatte“ ein großes Thema.

In diesem Zuge wurde für Bonns Bürger_innen, für die Verwaltung und die Politik ein Problem sichtbar, dass in der Kulturszene altbekannt ist:
In Bonn mangelt an geeigneten Räumen und Flächen um Kulturveranstaltungen zur Zufriedenheit aller durchzuführen.

In den Medien wurde viel über Klangwelle, Kunst!Rasen und ähnliche, populäre Events geschrieben. Die Subkultur blieb weitgehend unbeachtet. Aber was macht die Kulturszene einer Stadt überhaupt aus?
Sind es prestigeträchtige Aufführung im stadteigenen Opernhaus, Freilicht-Rockkonzerte am Rheinufer oder illegale Technoparties unter einer Autobahnbrücke? Vermutlich macht es die Vielfalt.

Kulturelle Vielfalt bedeutet…

…dass ein ausgewogenes Verhältnis und ein breites Angebot bestehen, dass die Bedürfnisse möglichst vieler Menschen angesprochen und berücksichtigt werden. Sicherlich müssen auch die berücksichtigt werden, die sich gestört fühlen. Aber kann man das Recht von Einzelnen per se den Bedürfnissen von Vielen überordnen?
Wer in der Stadt wohnt, sollte doch die damit verbundenen Vorzüge zu schätzen wissen und Bereitschaft zeigen, sich mit den Unannehmlichkeiten zu arrangieren.

Wie wollen wir umgehen mit Lärm in der Stadt? Wie will die Stadt mit Lärm umgehen? Verbote und Vertreibung sind keine angemessene Lösung. Nicht in einer Stadt, die nach den Worten des Oberbürgermeisters lebens- und liebenswert bleiben soll.

Ein möglicher Weg wäre die Schaffung von geeigneten Ausweichflächen für all diejenigen, die es eben etwas lauter mögen.

In Zeiten der Streichungen im städtischen Kulturhaushalt liegt hier großes Potential in der Subkultur. Die Vertreter dieser Szene schaffen auch ohne Subventionen attraktive Angebote, fehlende Mittel werden durch persönliches Engagement ausgeglichen. An Ressourcen wird verwandt was vorhanden ist.

Leerstand ist eine solche, städtische Ressource! In unserer Stadt wird sie nicht genutzt.

Kreative Nutzung von Leerständen

Es gibt viele gute Beispiele aus anderen Städten, wo die kreative Nutzung von Leerständen durch Bürgerinitiativen oder Kulturvereine wertvolle Früchte trägt.
Dort entstehen auf vom Abriss bedrohten Brachflächen, Orte der kreativen Selbstverwirklichung, die einzigartige, kulturelle Vielfalt bieten. Verglichen mit öffentlichen Projekten erfolgen die Umsetzungen hier häufig außerordentlich schnell und kosteneffizient – dank breitem Bürgerengagement.

Unsere Stadt sollte ihren Leerstand als Ressource begreifen und ihn, wo möglich, öffentlich nutzbar machen. Leider stehen solchen Überlegungen immer Verwertungsinteressen gegenüber. Wozu auch ein Risiko eingehen?
Oft ist es rentabler Häuser verfallen zu lassen und abzuwarten bis ein Investor auf dem Grundstück Luxuswohnungen oder ein Shoppingcenter errichtet.
Noch ein Shoppingcenter. Noch mehr Kommerz.
Zu viel Lärm in dieser Stadt?
Zu viel Kommerz in dieser Stadt!

Wir fordern die kulturelle Nutzung des Alten Schlachthofs,
selbstbestimmt und unkommerziell!

Wir wollen eine lebenswerte Stadt, die wir selber mitgestalten können.
Wir wollen eine liebenswerte Stadt, die wir uns nicht erkaufen müssen.

Unterstütze uns in diesem Vorhaben indem Du Dich in unsere Liste einträgst!
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CATEGORIES : blog/ AUTHOR : Maurice

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